KI in der Musik, Teil 3: Der Markt. Who will survive?

KI in der Musik, Teil 3: Der Markt. Who will survive?

Wer profitiert, wer verliert und wie verändert KI die Strukturen der Musikindustrie?
Die zahlreichen Keynotes und Reels mit zornigen Kampfansagen an die KI sind völlig verständlich, aber der Nutzen bleibt fraglich. Wie könnte denn eine Regulierung bei einem Thema funktionieren, das sich sowieso jeder Kontrolle entzieht? Die Geschichte zeigt vor allem eines: Change or die. Nur wer sich ausführlich mit neuen Technologien und deren Möglichkeiten beschäftigt, wird Nutzen daraus ziehen.

Slop das heißt Stop
Dass KI neue Künstler mitsamt Katalog, Marketingpaket und Umsetzung generiert, wird nicht mehr weit sein. Der Appeal solcher Pakete ohne menschlichen Touch bleibt aber begrenzt. Es ist zu erwarten, dass der neue künstliche Pop schon sehr bald zum „AI Slop“ werden wird. Das begünstigt die weitere Entwertung von Musik und verstärkt bestehendes Desinteresse. Shareholder wollen schnelles Geld, die Integrität einer Industrie ist egal. Dem Portfolio ist es auch egal, ob Musik neben Aluminium und Lenkwaffen steht.

Art versus greed
Der Diebstahl von geistigem Eigentum für das Training der KI-Tools ist aber natürlich eine Katastrophe, in jeder Hinsicht. Hoffnung liegt in Vergütung der Urheber über Klagen oder politische Regulierung: ein Triumph von old vs. new, right vs. wrong, art vs. greed.
Denn vielleicht besteht eine vage Hoffnung darin, die Platzhirsche der KI-Landschaft in eine Form von Verantwortung zu zwingen – in eine Vergütung der Urheber über erfolgreiche Klagen der Verwertungsgesellschaften oder über Regulierungen auf politischem Weg. Es wäre nur gerecht, einen Ausgleich zu schaffen, zwischen Kreation und Produktion auf der einen Seite und Vermarktung und Vertrieb auf der anderen. Dass das ausbeuterische Moment der Musikindustrie endlich auf den Müllberg der Geschichte geworfen wird, wäre nur zu schön. Und sicher naiv, aber ohne Hoffnung ist alles nichts. Wer sein Geschäft mit Kulturgütern macht, hat schließlich auch eine gewisse soziale Verantwortung.

Live is live
Das Live-Erlebnis ist bisher die einzige Komponente, die alle Stürme überlebt hat, wird aber ebenfalls Wandel erfahren. Hologramme, Gameifications, immersive Shows – neue Konzepte werden bald auftauchen. Live ist per se auch regionaler und so könnte KI, ein wenig anachronistisch, lokalen Künstlern helfen. Angesichts zunehmender kultureller Digitalisierung wird es ein größeres Publikum geben, das wieder mehr „echte“ Musik erleben will – ob von Gitarre oder Laptop.
Zorn, Angst und Trotz sind schlechte Berater bei neuen Technologien und deren Herausforderungen. Wer geistig lieber in der Welt des Stummfilms mit Pianobegleitung lebt, ohne verfügbare Tonträger und Fortschritt, muss nichts tun. Alle anderen eher schon.

ChChCh Changes
Das Spannungsfeld von Musik und KI ist ein Spiegelbild der Gesellschaft selbst – die insgesamt von der KI massiv verändert werden wird. Und das vermutlich nicht nur einmal.
Change or die gilt angesichts der KI-Revolution mehr denn je. Wer jetzt die Tools erlernt und kreativ einsetzt, kann auch morgen noch Spaß und Broterwerb mit Produktion, Performance, Vertrieb und Vermarktung von Musik haben. Vielleicht auch übermorgen. Nächste Woche? Keine Ahnung. Muss mal die KI fragen.

Herzlichst,
Michael Lachsteiner – Textundpr.at 

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